Lions Club ehrt jugendliche Glücksbringer

Sind junge Leute nur an sich interessiert? Landrat Hafner spricht von einem weit verbreiteten Vorurteil. In Günzburg werden Menschen gewürdigt, die nicht in dieses Klischee passen.  Von Till Hofmann

Zwei Schulen und eine Hilfsorganisation in Burgau, Günzburg und Leipheim haben den Jugendsozialpreis des Lions Club Günzburg in diesem Jahr erhalten (ganz rechts Präsident Ferdinand Munk, links daneben Landrat Hubert Hafner). Foto: Markus Teuber

Der neue Präsident des Lions Club Günzburg, Ferdinand Munk, war erkennbar stolz auf die Kinder und Jugendlichen, die er am Dienstagnachmittag auf Schloss Reisensburg empfangen hat. Alle eint, dass sie den in drei Kategorien vergebenen Jugendsozialpreis des Wohltätigkeitsclubs bekommen haben. Die Auszeichnung wurde zum zweiten Mal verliehen und ist mit einem nicht unerheblichen Geldpreis verbunden. Die drei Klassen- und Vereinskassen werden mit jeweils 2000 Euro gefüllt.

„Alles was man mit Freude und Engagement macht, macht man gut“, sagte Munk in seinem Grußwort. Er freue sich darüber, dass gerade junge Leute „ein Bewusstsein und Engagement für Menschen entwickeln, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“.

Auch Landrat Hubert Hafner, betonte dieses „komplexe und anspruchsvolle Engagement für die Gesellschaft“, das für ihn einen Kontrapunkt setzt gegen „das weit verbreitete Vorurteil einer desinteressierten Jugend“. Folgende Projekte wurden ausgezeichnet:

Maria-Theresia-Mittelschule Günzburg: Ursprünglich haben die Kinder der Klasse 6 b G an einem schulinternen Lesewettbewerb teilgenommen. Doch warum nur im eigenen Klassenzimmer vorlesen? Und so besuchten die Sechstklässler im vergangenen Dezember das Wahl-Lindersche Seniorenheim. Dabei kam von Schülerseite die Idee auf, zwischen dem Altenheim und der Mittelschule langfristig eine soziale Kooperation einzurichten. So möchten die Schülerinnen und Schüler den Senioren etwa alle sechs Wochen die Nachmittage verschönern. Neben Lesenachmittagen gibt es auch Spielenachmittage. Das geschieht alles auf freiwilliger Basis. Sechs bis acht Schülerinnen und Schüler sind in der Regel im Seniorenheim. „Aber es würden alle 22 mitmachen. Wir müssen das dann aufteilen“, sagt Förderlehrer Sebastian Malecha. Gelesen und gespielt wird während der regulären Unterrichtszeit. Dies bedeutet, dass der verpasste Unterrichtsstoff selbstständig nachgearbeitet werden muss. Die zwölfjährige Didem Uzunhüseyinoglu erklärt, warum ihr das Spielen mit den Senioren taugt: „Es macht Freude, den Menschen anzusehen und zu spüren, wie es ihnen gefällt. Und wir können deutlich machen, dass sie nicht einsam sind, dass jemand für sie da ist.“

Markgrafen-Realschule Burgau: Verena Winter unterrichtet Katholische Religionslehre. In der 8. Klasse sollten sich verschiedene Gruppen bilden, die soziale Projekte angehen. Folgende sind dabei entstanden:

Flüchtlingsprojekt Alle zwei Wochen nachmittags für zwei Stunden zum Spielenachmittag mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Rollstuhlprojekt Ein Selbstversuch mit einem Rollstuhl, in Burgau den Alltag zu meistern.

Tierheimprojekt In das Tierheim Günzburg gehen und für einen Tag freiwillig dort mitarbeiten.

Kreisaltenheimprojekt Besuch des Seniorenheims in Burgau und der Kapelle sowie Spielenachmittag.

Rucksackprojekt Es wurden 100 Rucksäcke mit Stiften und Schulmaterial nach Mali gespendet.

Malteserjugend Leipheim: Jugendliche der Malteser sind in die Rolle von „Glücksbringern“ geschlüpft, als Andere gerade den Weihnachtsbraten genossen haben. Knapp 750 Geschenkpakete sammelten und transportierten sie schließlich am 25. Dezember ins rumänische Gaesti. Am ersten Weihnachtsfeiertag ging es los – um 7 Uhr in der Früh. Am Silvestertag kamen die sechs Jugendlichen wieder zurück. Persönlich haben sie die Pakete bedürftigen Menschen übergeben. Anstrengend war’s. Und gelohnt hat es sich, denn die Jugendlichen haben „viele Momente der Freude und Dankbarkeit“ erlebt.

Horst Walz ist einer der Mentoren der ausgezeichneten Initiativen, von denen sich der Lions Club zuvor überzeugt hat. Er forderte gestern die Schulen, Vereine und Organisationen in der Region auf, sich mit ihren sozialen Projekten, an denen Jugendliche aktiv beteiligt sind, zu bewerben. Aus 17 Kandidaten musste heuer ausgewählt werden. „Und wir wissen: Es gibt noch viel mehr engagierte junge Menschen mit tollen Projekten im Landkreis Günzburg.“

(Pressebericht GZ vom 12.07.2017)